Der blaue Elefant

Allgemein

Seit ein paar Wochen haben wir einen neuen Mitbewohner. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich von ihm halten soll: Er kommt und geht, wann er will und sein Benehmen ist oft etwas ungehobelt. Und dazu – das ist vielleicht nicht ganz unerheblich – ist er ein blauer Elefant.

Der blaue Elefant zog irgendwann um Weihnachten hier ein. So ganz genau wissen wir es aber nicht mehr, weswegen sich sein erstes Auftauchen nur noch grob rekonstruieren lässt: Krumpfz alberte mit seinem Papa im Wohnzimmer herum, wahrscheinlich waren Kissen und verschiedene Kitzelmanöver Teil der Szenerie. Irgendwann in diesem Durcheinander nannte mein Mann Krumpfz eine „Quatschnudel“, worauf letzterer kurz innehielt und mit ernster Miene insistierte: „Nein, ein blauer Elefant!“

Seither taucht der blaue Elefant immer mal wieder bei uns auf – besonders oft beim Mittagessen. Er ist dann meist ganz schön frech, macht Dinge, die wir Eltern nicht mögen oder ist einfach nur ziemlich albern. Meist ist er nach kurzer Zeit wieder verschwunden.

Vor ein paar Wochen saßen wir zum Beispiel nach dem Essen noch ein paar Minuten am Esstisch und wir Eltern unterhielten uns (was mit Kleinkind ja schon Herausforderung genug ist). Vermutlich um nicht in Vergessenheit zu geraten, nahm Krumpfz einen großen Schluck „Bitzelwasser“ und rülpste (oder versuchte es zumindest). Mit breitem Grinsen und erwartungsvollen Augen sah er uns an und wartete auf unsere Reaktion. Von seinem Papa wollte er sicherlich lobende Worte hören, hatte er ihn doch erst Tage zuvor in die Geheimnisse des männlichen Urgeräuschs eingeweiht. Ich, die ich gut auf Rülpskonzerte am Tisch (und im Leben generell) verzichten kann, verzog hingegen das Gesicht: „Och nö, Krumpfz! Nicht machen, das ist ekelig!“ Von diesem Verbot und dadurch, dass sich mein Mann seinen väterlichen Stolz und ein Lachen nur schwer verkneifen konnte, animiert, setzte Krumpfz erneut den Becher an, trank einen großen Schluck und versuchte sich an einem neuen Rülpser. Wieder schaute er uns mit einem herausfordernden Lachen an. „Du bist ein Frechdachs, weißt du das?“, sagte ich mit gespieltem Ärger, aber nun doch mehr lachend. Da guckte mich Krumpfz plötzlich ernst an und sagte bestimmt: „Nein, ein blauer Elefant!“

Woher der blaue Elefant kommt, wissen wir nicht. Klar hat Krumpfz längst Bekanntschaft mit dem kleinen blauen Elefanten, dem treuen Freund der Maus, gemacht. So richtig viel hatte er mit ihm aber noch nie am Hut. Er kennt zwar die Maus-Spots (die wir ihm eine Zeit lang beim Wickeln und beim Frisör vorgespielt haben, um überhaupt an ihn heranzukommen). Und er hat auch ein entsprechendes Kuscheltier von uns geerbt (warum auch immer wir Erwachsenen so etwas besitzen!). Aber die Begeisterung für Maus-Spots ist längst einer für Videos über Bau- und Landmaschinen gewichen und der blaue Kuschelelefant konnte sich (wie alle anderen Kuscheltiere) nie richtig gegen das braune Kissen durchsetzen.

Immerhin scheint das Elefanten-Alter-Ego aber in der Familie zu liegen: Wir Eltern sind laut Krumpfz nämlich auch blaue Elefanten und sogar die Großeltern sind Teil unserer Dickhäuter-Dynastie. Wenn Sie also demnächst irgendwo eine Horde blauer Rüsseltiere sehen – das wären dann wir.

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