Das braune Kissen

Allgemein

Irgendwann in der Zeit vor Krumpfz waren mein Mann und ich auf der Suche nach einem neuen Bett. Dabei schauten wir im örtlichen Bettfachgeschäft (ja, das gibt es hier tatsächlich noch!) vorbei. Ein Bett fanden wir nicht – wohl aber zwei 40×40 cm kleine Daunenkissen, von denen wir glaubten, dass sie zusätzlich zu unseren großen Kissen nachts unsere von der PC-Arbeit geschundenen Nackenpartien stützen würden.

Die Kissen (meins mit beigem, das meines Mannes mit braunem Bezug)  fristeten daraufhin erst einmal ein etwas unspektakuläres Dasein in unserem Bett – bis Krumpfz sie vor etwa einem Jahr für sich entdeckte…

Es begann damit, dass Krumpfz erkannte, dass man sich – wenn man kein Baby mehr sein wollte – auf ein Kissen zu betten hatte. Also warf er sich abends beim Einschlafritual zuverlässig mit einer Art Köpper-Bewegung auf eines oder gleich beide der Kissen. Kurze Zeit später ging Einschlafen dann nur noch mit einem der beiden Kissen im Arm, wobei das Kissen mit beigem Bezug für Krumpfz eindeutige Vorzüge gegenüber dem mit brauner Hülle aufzuweisen schien.

Zur etwa gleichen Zeit ging es in der Krippen-Eingewöhnung von Krumpfz um die Heranführung an einen gemeinschaftlichen Mittagsschlaf. Wir Eltern hatten deswegen große Sorgen (schlief Krumpfz doch zu Hause nur an meiner Brust ein), weswegen wir jeden erdenklichen Unterstützungsgegenstand mit in die Krippe schleppten. Eine Stoffversion des kleinen blauen Elefanten fand bei Krumpfz keinen Anklang (der Elefant fristet bis heute ein trauriges Dasein in Krumpfz‘ dunklem Schrankfach in der Kita), so dass ich mich schließlich etwas widerwillig von meinem beigen Kissen verabschiedete und es Krumpfz mit in die Kita gab. Tatsächlich erwies sich dies als dem Einschlafen zuträglich, so dass das Kissen blieb. Irgendwann tauschte ich allerdings den meiner Meinung nach für ein Kleinkind völlig ungeeigneten (weil öden und dann auch bald total dreckigen) beigen Kissenbezug gegen einen freundlich hellblau-weiß gepunkteten, mit einem Elefantengesicht bestickten Bezug aus, den wir zur Geburt unseres Sohnes bekommen hatten. Krumpfz‘ Erzieherin musste darunter allerdings kurzfristig leiden: „Er wollte gar nicht einschlafen, sondern musste mir erst noch ein paar Mal den Elefanten zeigen“, klagte sie am ersten Tag des Bezugwechsels.

Zu Hause erlebte zur gleichen Zeit das braune Kissen einen rasanten Aufstieg in Krumpfz‘ Gunst: Es war jetzt nicht nur essentiell für den Einschlafprozess, sondern wurde zunehmend auch von ihm durch die Wohnung getragen. Oft musste Krumpfz‘ Puppe Conni auch unsanft den kleinen Buggy verlassen, damit Krumpfz darin das braune Kissen transportieren konnte. Irgendwann konnten wir dann das Haus nicht mehr ohne braunes Kissen verlassen – es musste überall mit hin: ins Auto, in den Buggy, in den Thule, in die Krippe. Auch bei Spaziergängen schleifte Krumpfz das Kissen nun gerne hinter sich her über Asphalt, Schotterwege und durchs Grün. Wir Eltern fanden das aus hygienischen Gründen zunächst nicht so toll. Aber alle Überredungsversuche wie „Willst du nicht lieber Conni mitnehmen?“ oder „Das Kissen wird doch ganz dreckig!“ halfen nichts: Das Kissen musste mit!

Dabei hatten wir Eltern uns so viele Gedanken über Krumpfz‘ ersten Kuschelkumpanen gemacht! Schon vor seiner Geburt hatten wir in Kinderfachgeschäften und im Internet nach geeigneten Stofftieren für Krumpfz gesucht. Am Ende entschieden wir uns für ein rosafarbenes, treu dreinschauendes Schwein aus robustem Frottee, das mich an „Teddy“ von Lotta aus der Krachmacherstraße erinnerte. Krumpfz‘ Patentante Anne* steuerte zur Geburt ein Steiff-Eichhörnchen bei, mein Vater ein Schnuffeltuch in Hundeoptik. Sie alle liegen inzwischen in Krumpfz‘ Bett – gekuschelt wird aber nur das braune Kissen.

Wobei das nicht ganz richtig ist. Denn nachdem wir das beige Kissen an die Kita und das braune an Krumpfz verloren hatten, kaufte ich mir ein blaues Kissen nach. Ich dachte, dass ich dieses sicher gegen Krumpfz behaupten könnte. Anfangs schien ich damit recht zu behalten. Doch schon bald musste auch das blaue Kissen abends beim Einschlafen dabei sein – und inzwischen muss es morgens auch mit in den Buggy, wenn es in Richtung Kita geht. Allerdings darf man – wie mein Mann Anfang dieser Woche – sich davon nicht zu der Annahme hinreißen lassen, dass das blaue Kissen dem brauen in Krumpfz‘ Augen ebenbürtig sei. Denn an dem Tag, als mein Mann meinen Sohn mit blauem statt mit braunem Kissen in die Kita schickte (und das braune mit nach Hause brachte!),  fragte Krumpfz seine Erzieherin ständig nach dem braunen Kissen und auch ich wurde gleich beim Abholen mit der halb vorwurfsvollen Frage nach dem „braune Dissen?“ empfangen. Seither achte wir alle penibel darauf, dass das braune Kissen mit in die Krippe wandert.

Wir Eltern haben es mit den kleinen Kissen nun aufgegeben – denn eigentlich schläft es sich ohne genauso gut und die Nackenschmerzen verschwinden dann doch eher durch Sport. Und wenn wir doch noch etwas Weiches brauchen, auf dem wir unsere müden Häupter betten können – Schweinchen und Eichhörnchen sind ja noch frei. Oder ich hole einfach das Kissen mit Elefantenbezug aus der Krippe nach Hause – das würdigt Krumpfz nämlich längst auch keines Blickes mehr.

* Die eigentlich anders heißt.

 

2 Gedanken zu “Das braune Kissen

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