Mission Impossible

Allgemein

„Dididum, dididum, dididum, dudum! Dududum, dududum, dududum, dudum!“ – Fast jeden Abend habe ich die Titelmelodie von Mission Impossible, dem inzwischen nicht sonderlich gut abgehangenen Action-Schinken mit Tom Cruise, im Ohr. Und zwar immer dann, wenn ich Krumpfz ins Bett bringe. Denn nach dem eigentlichen Einschlafritual folgt sie, die schier unmögliche Mission: der Weg in die Freizeit.

Dabei setze ich als Agentin gleich zu Beginn auf meine stärksten Waffen: Stillen und Singen. Sie sind so bestechend, dass Krumpfz schnell vom Schlaf überwältigt wird. Wer allerdings glaubt, dass ich mein Missionsziel damit schon fast erreicht hätte, der irrt. Denn Krumpfz hat vorgesorgt! Als natürlicher Widersacher elterlicher Freizeit hat er das Schlafzimmer mit einem ausgeklügelten Sicherheitssystem versehen, das meine Flucht verhindern soll.

Da ist zunächst der in ihm von Geburt an aktivierte Bewegungsmelder. Er schlägt zuverlässig an, wenn ich zum finalen Schlag aushole und Krumpfz vom elterlichen ins Beistellbett verlegen will. Seine Sensoren registrieren dabei jede noch so kleine Vibration und jede graduelle Schieflage. Sofort wird ein zweistufiger Alarm ausgelöst, der zunächst mit leisem Wimmern beginnt und der sich bei nicht prompter Rückführung ins große Bett und an meine Seite schnell in ohrenbetäubende Protestsignale steigert. Doch mit dem richtigen Timing, also das Abpassen der ersten Tiefschlafphase, kann ich den Bewegungsmelder meist kurzfristig ausschalten.

Außerdem bin ich sicher, dass Krumpfz unser großes Bett manipuliert hat. Denn seit neustem ist es ein einziges akustisches Minenfeld. Zahlreiche Latten scheinen demontiert worden zu sein. Denn obwohl noch kein Jahr alt, knarzen sie bei geringster Belastung dermaßen laut, dass sie Krumpfz in sofortige Alarmbereitschaft versetzen. Ich muss also meinen speziell für diese Situation trainierten Agenten-Move einsetzen und mich geräuschlos, aber mit Schwung, im richtigen Winkel seitwärts aus dem Bett rollen.

Eine ähnliche Rolle nutzt Krumpfz, um mein Wegschleichen zu kontern. Weniger filigran, dafür aber sehr effektiv stürzt er sich im entscheidenden Augenblick von der zum Einschlafen bevorzugten Seitenlage in die Rücken- oder Bauchlage. Beides versetzt den Kleinen mit Sicherheit in erneute Alarmbereitschaft. Doch ich wäre nicht eine geübte Agentin, wenn ich nicht auch dagegen ein Mittel gefunden hätte: ein dreieckiges Kissen, das ich Krumpfz heimlich als Keil in den Rücken schiebe.

Und selbst die Tür scheint inzwischen Teil des Überwachungssystems meines Sohnes zu sein: Scheinbar zufällig hatte sich ein Holzspan so unter ihr verkeilt, dass sich diese nur noch mit einem lauten „Schrabb!“ öffnen und zuziehen ließ. Zum Glück ließ sich dieser mit einem Einweg-Staubtuch schnell entschärfen.

Das effektivste Mittel gegen meine Fluchtversuche ist aber Krumpfz selbst. Wenn er sich an mich kuschelt, seine weichen Babyhaare und der Geruch von Muttermilch in meiner Nase kitzeln, ist das so verführerisch gemütlich, dass meine Glieder plötzlich ganz schwer werden und mich eine ungeahnte Müdigkeit übermannt. Dann vergesse ich meine Mission schon mal für zwei Stunden oder sie scheitert ganz – weswegen ich die wirklich kniffligen Fälle dann doch Tom Cruise überlasse.

3 Gedanken zu “Mission Impossible

  1. Die Mission Impossible kommt mir stark vertraut vor. Sollte mal alles nach Plan (B) klappen, dann freut man sich auf seine gewonnene Zeit, die man, in unserem frühen Fall von Agenten- (Eltern) Sein, dann am liebsten mit Schlaf verbringen möchte. Und dann die Überraschung, der Plotpoint in der gesamten abendlichen Dramaturgie. Man liegt hellwach im Bett und versucht durch das Verfassen von Blog-Kommentaren die Müdigkeit wiederzuerlangen, die einen den gesamten Tag verfolgt hatte….

    Grüße
    M

    Gefällt 1 Person

    1. Haha ja, das kenne ich auch. Da ist man megamüde und wenn das Baby dann mal schläft, ist man plötzlich hellwach und voller Tatendrang. Da hilft der gut gemeinte Ratschlag „Schlaf doch einfach immer, wenn dein Baby schläft“ (ein sicherer Treffer beim Phrasen-Bingo!) echt wenig. 😀

      Liken

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