Malade

Allgemein

Machen wir uns nix vor: Kranksein ist blöd. Es gibt aber noch mindestens eine Steigerungsform* dieses eh schon unsäglich ätzenden Zustandes: Kranksein als Mutter. Das musste ich diese Woche lernen.

Ich hatte mir fest vorgenommen, bis Weihnachten nicht krank zu werden und zuletzt heimlich die Tage gezählt. Zu groß war meine Angst davor, eine kranke Mutter zu sein. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie das gehen sollte: Kranksein mit Krumpfz. Und ohne meinen Mann. Weihnachten war mein großes Ziel, denn ab da hat Krumpfz‘ Papa Elternzeit. Und dann überfiel mich diese Woche – knapp zwei Wochen vor Weihnachten – eine Magen-Darm-Grippe.

Der Überfall fand hinterlistig und unerwartet statt, nachdem ich Krumpfz nachmittags durch die regnerischen Gassen unserer Stadt getragen hatte. Kaum hatte ich ihn zu Hause aus dem Tuch geschält, verabschiedete sich sämtliche Energie aus meinem Körper und machte einer Hitze Platz, die ich schon fast vergessen hatte: Fieber. Ich schaffe es gerade noch, einen Notruf an Krumpfz’ Papa abzusetzen, dass er sofort nach Hause kommen müsse. Was dann folgte, waren zweieinhalb Tage im Bett.

Das ging nur, weil mein Mann einen Arbeitgeber hat, der (wie wir herausfanden) Sonderurlaub für genau solche Fälle gewährt. Und so übernahm Krumpfz’ Papa die Fürsorge für unseren Kleinen – nur zum Stillen kam Krumpfz zu mir ins Bett. Das war für mich eine totale Umstellung, denn sonst bin ich unter der Woche immer den ganzen Tag für Krumpfz da. Neben merkwürdigen Fieberträumen (z.B. von stapelbaren Kakteen) plagte mich deshalb schnell mein schlechtes Gewissen. Wenn ich aus dem ans Schlafzimmer angrenzenden Wohnzimmer das Weinen meines Sohnes hörte, fühlte ich mich wie eine Rabenmutter. Wie konnte ich Krumpfz nur so hängen lassen? Dazu schlichen sich im Fieberrausch noch weitere fiese Gedanken in mein vernebeltes Hirn: Würde der Kleine mich überhaupt noch mögen, wenn ich wieder gesund bin? Nahm er es mir übel, dass ich nur noch herumlag und nicht mehr mit ihm herumalberte?

Und dann die Sorge um Krumpfz: Hatte ich ihn angesteckt? Würde er Fieber bekommen? Schmerzen haben? Auf meinem Smartphone las ich von plötzlichen Spuckfontänen, übergelaufenen Windeln und durchgeweinten Nächten. Vor meinem nicht ganz zurechnungsfähigen geistigen Auge sah ich uns schon nachts zum kinderärztlichen Notdienst fahren… Erst ein Anruf bei unserem Kinderarzt nordete mich wieder ein: Wir würden es alle unbeschadet überstehen.

Also übte ich mich in Geduld und Zuversicht – schon in gesundem Zustand nicht gerade meine Stärken. Zwang mich dazu, die von meiner Schwiegermutter schnell angesetzte Hühnerbrühe zu essen. Knabberte an der von meinem Mann besorgten Brezel. Trank Tee und verdünnte O-Saftschorle. Und folgte einem Leitspruch aus meiner eigenen Kindheit: „Schlafen ist die beste Medizin.“ Ich glaube, ich war lange nicht mehr eine so diziplinierte Kranke wie in diesen zweieinhalb Tagen. Früher, vor Krumpfz, hatte ich so manche Krankheit auf die leichte Schulter genommen und so eine ganze Weile mit mir herum- und schließlich verschleppt. Das konnte ich mir ja auch erlauben, ich war schließlich nur für mich verantwortlich. Jetzt aber wusste ich: Ich muss mich auch für Krumpfz gründlich auskurieren und wieder ganz gesund werden. Und für meinen Mann, der mir dafür den Rücken freihielt.

Trotz meines unbedingten Willens, schnell gesund zu werden, brauchte mein Körper lange, um den Virus im Fieber niederzubrennen. Auf dem Höhepunkt der Grippe schrieb ich an meine beste Freundin: „Merke: Lieber eine Geburt, als eine Magen-Darm-Grippe.“ Ja, ich kann auch drama queen.

Am Ende aber behielt der Kinderarzt Recht: Nicht nur ich bin inzwischen wieder auf den Füßen, sondern auch Krumpfz hat meine Grippe unbeschadet überstanden. Er war vielleicht ein bisschen müder als sonst und hatte zwischendurch etwas Bauchweh. Aber ansonsten ist er immer noch unser happy child. Und er hat sich total gefreut, als ich heute wieder Quatsch mit ihm gemacht habe. Richtig gegiekst hat er vor Freude. Beim Stillen heute Mittag dann unterbrach er seine Mahlzeit, wandte sich mir zu und erzählte mir in seiner Babysprache aufgeregt etwas. Wahrscheinlich wollte er mir berichten, was ich alles verpasst hatte. Sein Monolog beendete er mit einem Lächeln – so als wolle er sagen: „Du hast zwar viel verpasst, aber jetzt bist du ja wieder da, Mama!“

*Mir schwant, dass der absolute Superlativ noch auf uns wartet: Kranksein mit krankem Kind. Tief durchatmen…

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