Die Krumpfz’sche Semiotik

Allgemein

Heute muss ich zugeben: Der Name dieses Blogs tut meinem kleinen Sohn inzwischen Unrecht. Denn nach einigen Wochen auf der Welt ist Krumpfz’ verbales Repertoire deutlich angewachsen. Man könnte fast schon von einer hohen Eloquenz sprechen (ganz die Mama!). Deswegen hier eine knappe Einführung in die Krumpfz’sche Semiotik:

Da wäre zunächst das gepresste „Kfffz“ oder „Pfffz“. So klingt es, wenn unter Anstrengung Luft aus dem Baby entweicht. Je nach Anstrengungsgrad kann es Hunger oder Verdauungsaktivitäten signalisieren. Bei zweiterem läuft Krumpfz in der Regel rot an, um die Interpretation des Geäußerten zu erleichtern. Wenn etwas mehr Luft auf einmal entweicht, wird aus dem „Kfffz“ oder „Pfffz“ auch mal ein „Kpfffzz“ – oder eben ein „Krumpfz“.

 

Dagegen taucht das rhythmisch dahingestöhnte „eh – eh – eh“ zuverlässig nach den Hauptmahlzeiten auf. Es vermittelt dezent und unaufdringlich, dafür aber sehr ausdauernd, die Botschaft, dass nach dem erfolgten Bäuerchen und/oder dem Ausspucken eines Teils der Mahlzeit im Magen nun noch Platz für einen Nachtisch sei. Bei Nichtgehör verleiht Krumpfz seinem Wunsch nach einem Dessert durch das nicht mehr ganz so geduldige „Eh-hüüüm“ (und dessen Synonymen „Ah-hüüüm“ und „Oh-hüüüm“) Ausdruck.

Ist auch das Dessert erfolgreich vertilgt, folgt meist ein weiterer Ausdruck des nachmahlzeitlichen Verarbeitens – das langgezogene „hüüüüüüb“. Auch wenn die Vermutung nahe liegt, dass es sich hierbei um eine Hommage an einen gewissen holländischen Fußballlehrer im blauen Jogginganzug handelt, vermuten Experten (seine Eltern), dass das „hüüüüüüb“ vielmehr ein besonders vornehm geäußerter Rülpser ist, der nicht schnell („BURRRRPS!“), sondern nur langsam aus dem jetzt reichlich vollgefutterten Baby entweicht.

Fällt Krumpfz aber ein, dass er gerade Heißhunger hat, ist es mit der Zurückhaltung ganz vorbei. Dann muss man sich auf ein ziemlich universell verständliches „Wuuuuuähhhh“ gefasst machen. Allerdings hat „Wuuuuuähhhh“ noch andere Bedeutungen: So kann „Wuuuuuähhhh“ auch ein Zeichen für „Untersteh’ dich, noch EINEN Knopf an meinem Body zuzumachen“, „Hast du etwa gerade einen Pullover über meinem Kopf gezogen? So eine Unverschämtheit!“, „Ich hasse diese Mütze!!!“ oder auch „Jetzt reicht es aber echt mit der Fahrt im Kinderwagen, mir ist langweilig und ich will auf den Arm!“ sein. Seine Steigerung findet „Wuuuuuähhhh“ in einem angeschlossenen „annaaaaaa“ (was von mir gerne als Vorform von „Mamaaaaaa“ gewertet wird). „Wuuuuuähhhh – annaaaaaa“ wiederum kann noch potenziert werden durch kompromissloses Ausatmen, bis alle Luft aus Krumpfz entwichen ist. Dann müsste er eigentlich wieder Luft holen – was er dann aber gerne unterlässt, um der Dringlichkeit seines Anliegens mehr Dramatik zu verleihen.

Recht neu und noch nicht vollständig erforscht ist der unerwartete Walkürenschrei. Diese hochfrequente Unmutsäußerung kündigt sich – wie der Name schon sagt – meist nicht an und verläuft in der Regel binär: friedliche Stille (Baby aus), gefolgt von einem lauten, kurzen Kreischen (Baby an) und wieder Stille (Baby aus). Besonders oft tritt dieser Schreiakt nachts auf. Dann prüfen mein Mann und ich sicherheitshalber, ob Krumpfz nicht auf einen rostigen Nagel gerollt ist und hoffen dann, dass der Schrei kurz genug war, dass die Nachbarn den Telefonhörer wieder aus der Hand legen und nicht den Kinderschutzbund rufen.

Das alles erweckt natürlich den Eindruck, dass Krumpfz ganz schön fordernd und anstrengend ist. Deshalb: Bevor wir künftig vergeblich nach seinem Babysitter unter den Lesern dieses Blogs suchen, seien zum Schluss noch die inzwischen ebenfalls häufig artikulierten „Höhö“ und „Gnäh“ zu erwähnen. Diese benutzt Krumpfz immer und ausschließlich zusammen mit einem breiten Lachen im Gesicht. Besonders morgens, wenn er mich und meinen Mann zum ersten Mal nach dem Aufwachen sieht, sind diese beiden Laute hoch im Kurs. „Hey, wie schön, dass du da bist!“ und „Hey, euch mag ich!“, scheint er uns damit zu sagen. Und diese Illusion lassen wir uns auch nicht davon nehmen, dass er seinen Stoffesel mit ebenso viel Enthusiasmus und „Höhö!“ anlacht.

 Dieser Text entstand in (nächtlicher) Kooperation mit Poelz (Krumpfz’ Papa).

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